2. Wahl

So, nun liegt er hinter mir, der 2. Leipziger Fotomarathon. Alle Preise sind verteilt. Ein paar Fotos sind geblieben, die leider, leider für den Wettbewerb aussortiert werden mussten. Hier bekommen sie nebst Erfahrungsbericht ihren kleinen Auftritt.

Aber von vorn. 27.09.2014. Der Wecker klingelte zeitig, zumindest für meine Verhältnisse. Aber die Kameratasche war seit Tagen gepackt. Ich bin ein unheilbarer Vorfreuer, der immer schon Tage vor jedem Urlaub Listen erstellt mit Sachen, die man so brauchen könnte, und dann immer wieder den Rucksack aus- und wieder einpackt, nur so zur Freude. Und so startete ich vollständig ausgestattet (zumindest waren viele Häkchen an der Checkliste) zum Bahnhof. Im Vorjahr gab es nur mich und meine Kamera, aber dieses Jahr Fototasche mit Wechselobjektiven, Ministativ, Schokoriegeln, Wasser, Kamerareinigungsset, Polfilter, Stiften und Notizblock. Dank Körbchen am Fahrrad konnte ich auch einem schweren Haltungsschaden vorbeugen, der mich sicher ereilt hätte, wäre ich zu Fuß unterwegs gewesen.

Die Themen 1 und 2 samt Startnummer und Jutebeutel (später fand ich darin Traubenzucker, eine hilfreiche Broschüre und eine Fotozeitschrift) wurden in der mir bisher unbekannten Historischen Wartehalle verteilt, und schon strömten alle Teilnehmer eifrig hinaus in die Stadt, um Motive zu finden für „Von A nach B“ und „Stille Orte“. Ich musste erstmal mein Rad wiederfinden, immerhin neben der Kamera mein zweitwichtigstes Utensil an diesem Tag. Aber dank der Vollsperrung des Hauptbahnhofs standen nicht wie üblich 500 Fahrräder sondern nur 50 Stück im Pulk vorm Eingang.

Der Wahnsinn nahm nun seinen Lauf. Wirre Stichworte auf die Rückseite des Handzettels gekritzelt, Vollbremsungen inmitten des Innenstadtverkehrs und erste fixe Ideen, die nur halb zum Thema passten, aber sich einfach nicht mehr verdrängen ließen. „Von A nach B“ – dieser lustige vollverspiegelte Glasaufzug mitten auf dem Marktplatz war quasi mein einziges Fotomotiv. Sieht irgendwie reingeschnitten auf Fotos aus, verstand aber niemand so richtig. Nicht schlimm.

Ich wollte nur schnell weiter zur Themen-Ausgabestelle ins Rabet im Leipziger Osten, um dann weit weg in Lindenau einen „Stillen Ort“zu knipsen. Aber es kam dann ganz anders, als mich das Bioklo im Querbeet-Nachbarschaftsgarten anlächelte. Dabei wollte ich doch kein Klo fotografieren. Ein schäbiges Sofa, meine 2. Wahl, wurde später von mir gelöscht, das arme Ding.

Am Rabet selbst gab es Themennachschub: 3 – „Mit Gefühl“ und 4 – „Spieglein, Spieglein“. Jaja, beides hatte ich quasi schon mit Thema 1 und 2 umgesetzt. Also, kurz die Gedanken entwirren und ein Schwätzchen mit ein paar bekannten Gesichtern. Alles noch ruhig und in der Zeit.

„Mit Gefühl“. Sicherheitsfoto am Standesamt, dachte ich. Schon fertsch mit der letzten Hochzeit und grad am Losdüsen war dann die harte Realität. Ein paar traurige Papierherzchen auf dem Boden mussten also erstmal herhalten. Das war der Anfang eines zermürbenden Trauerspiels. Idee: Straßenmusiker – niemand schien heute zu spielen. Idee: Slacklining – der Park war leer – leer! Idee: Kinder auf dem Klettergerüst – schon beim Abstellen des Fahrrads auf dem Spielplatz lief eine erboste Übermutti auf mich zu „Sie machen hier aber bitte keine Fotos!“ Erklärungen halfen nicht, die Fronten waren verhärtet und ich nicht mehr willens irgendwen an diesem Tag anzusprechen. Idee: Minigolf – geschlossen. Ach, menno. Ich brauchte ne Pause, daheim. Und bei Obst und starken Kaffee sind gleich ganz viele Bilder entstanden. Auf’m Plattenspieler war Pankow’s Kille, Kille, aber das konnte man ja im Bild nicht sehen. Und mein Wasserglas war gleich Teil einer ganzen Fotosession zum Thema „Spieglein, Spieglein“.

Frisch gestärkt und mit neuem Selbstbewußtsein führte mich mein Weg vorbei an glänzenden Trompeten, einer klitzekleinen Spinne auf einem Mopedspiegel und allerlei Glasbauten zum Stand an der Feinkost. Thema 5 „Gaumenfreuden“! Ha, ich wollte immer mal einen Wirsing fotografieren. Passt doch von der Jahreszeit. Aber bis ich  zum Wirsing fand, fand wiederum eine fixe Idee zu mir: möhrchenknabbernde Nutrias an der Entenbrücke. Hin zur Entenbrücke, Nutrias waren da und viel Salat. Passt doch alles! Aber noch bevor ich mich an die Tierchen pirschen konnte, stürmten 5 lärmende Kinder auf’s Wasser zu und für die nächsten Minuten ward kein Nutria mehr gesehen. Also doch der Wirsing, den ich dann im 3. Gemüseladen finden konnte. Danach war mein Ideenpool aufgebraucht, ich wurde müde und knurrig. Ein letztes Thema stand aber noch an: „Vorhang auf“. Deshalb mussten ein vertrockneter Schnittlauch, den ich von einer Freundin zur Pflege auf meinem Balkon beherberge, und ein oller Vorhang herhalten. Nicht sehr kreativ. Und zum Sonderthema„Lichtblick“  gab es dann gar kein Ersatzfoto mehr, da musste ein Klick passen. Ich war soweit meine Bilder abzugeben, wenn es nur nicht überall eine 2. (oder 3.) Wahl gegeben hätte. Schwere Entscheidungen bei der Auswahl, da brauchte ich fremde Hilfe, die ich dann prompt mehrmals auch bekam. Danke nochmal!

Dann kam die Woche danach! Erstmals waren alle Bilder sichtbar, viel war ähnlich, einiges anders, die Meinungen gehen sicher weit auseinander. Das Publikumsvoting, das sich so viele gewünscht hatten, hat mich 1 Woche lang an der Güte der Menschheit zweifeln lassen. Man hatte die Möglichkeit alle Bilder mit Sternen zu bewerten, so schön, so gut. Bilder rumgeschickt und gehofft, dass meinen Freunden die meisten meiner Fotos gefallen, und siehe da, irgendwann während des Votings waren kurzzeitig 6 von mir geschossene Bilder in den Top 20. Zauberei? Den Screenshot hebe ich mir als Andenken auf. Aber ein Teil der Teilnehmer verfolgte einen anderen (diabolischen) Plan, Gewinnen nicht durch Qualität des eigenes Fotos sondern durch Schwächung der Gegner durch konstante Nullerbewertung aller anderer eingereichter Fotos. Shame on you! Und so kam es, dass unter den angeblich besten 20 Fotos nur 2-3 tolle Bilder waren, die dann natürlich bei der Wahl vor Ort zur Fotolounge umso bessere Karten hatten.

Ach ja, die Fotolounge am 4.10.2014. Wie auch schon im letzten Jahr waren viele mit den Siegerbildern nicht einverstanden, aber da es sich um eine sehr subjektive Entscheidung von 5 Personen handelt, wird sich das wohl Jahr für Jahr wiederholen. Mir persönlich haben ein paar der prämierten Fotos sehr gut gefallen, andere wiederum haben so gar nicht meinen Geschmack getroffen. Aber ich bin mir sicher, dass bei der Entscheidung heiß diskutiert wurde. Geschmäcker sind unterschiedlich. Aber über die Qualität des DJs ließ sich nun wirklich nicht streiten, also warum nur sind alle schon so schnell verschwunden? Wollen Fotografen etwa nicht tanzen?

Fazit: Ich bin mit all meinen Fotos sehr zufrieden. Was will ich mehr? Die Orga war auch top, ich werd 2015 wieder mitmachen…

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Und hier oben sind auch nochmal meine Auswahl von 2014 und hier noch ein paar meiner Bilder vom Leipziger Fotomarathon 2013.

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2 Gedanken zu “2. Wahl

  1. Hat dies auf kramkalender rebloggt und kommentierte:
    Premiere! Zum ersten Mal präsentiert der Kramkalender einen Gastbeitrag. Tataaaa!
    Der 2. Leipziger Fotomarathon liegt hinter uns und der Sonntagsknipser war dabei und hat die ganze Chose mal ganz subjektiv dokumentiert. Unterhaltsam und mit sehr vielen großartigen Fotos.

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